Okt 3

Am Flugplatz haben wir eine Telefonverbindung, um unsere Windenstarts durchzuführen. Hierzu wurde vor vielen Jahren ein Erdkabel verlegt. Die Strecke beträgt ca. 1000m Luftlinie. Leider ist das Kabel über die Jahre degradiert und funktioniert nur noch über die alten Feldtelefone der Bundeswehr, die wir immer noch einsetzen. Eine Alternative galt es zu finden.

Als Windenfahrer sollte man jedoch die Hände zum Telefonieren frei haben und dies geht nun mal nur mit einem Headset. Dieses funktioniert aber nicht an den alten Telefonen. Ein Versuch, die Haustelefonanlage des Clubheims zu nutzen war erst sehr erfolgreich. Doch nach einigen Wochen bildeten sich an den in der Erde liegenden Kabelverbindungen (das Kabel besteht aus insgesamt über 5 Einzelstücken) Kurzschlüsse. Diese sind wohl auf die dauernd anliegende Anlagenspannung von ca. 24V zurückzuführen. Diese in Zusammenarbeit mit Feuchtigkeit erzeugt Korrosion und es bilden sich leitende Verbindungen. Die Kurzschlüsse sind im kOhm-Bereich und bewirken, das die Hausanlage denkt, die entfernte Gegenstelle ist immer abgehoben. Ein Auflegen und Trennen der Verbindung war nicht mehr möglich.
Als Alternative zum Verlegen eines neuen Erdkabels, wollte ich die Nutzung der aktuellen Funktechnik einführen. In der Segelflugbetriebsordnung steht zum Thema Funkverbindung nur, dass der Flugfunk nicht genutzt werden darf.
Demnach sind Handys und andere drahtlose Verbindungen erlaubt, sofern sie bidirektional arbeiten.
Moderne DECT Telefone, wie sie fast jeder zu Hause einsetzt, haben eine sehr gute Sprachqualität und sind leicht zu nutzen. Doch die Reichweite im Freien beträgt aufgrund der definierten Leistung maximal 300m.
Um einen Einsatz auf dem Flugplatz mit den zu überbrückenden 1000m zu ermöglichen, muss auf die Richtfunktechnik eingegangen werden.
In den normalen Basisstationen sind meist einfache Rundstrahler realisiert. Diese bieten omnidirektionale Ausstrahlung, was ja im normalen Umfeld auch in Ordnung ist. Hier soll durch den Einsatz einer Richtantenne die Leistung auf einen kleinen Raumsektor gebündelt werden.
Die hier verwendete Richtantenne ist vom Typ biquad und wurde von der Firma Brennpunkt SRL gekauft.
Die Antenne bietet eine Verstärkung von ca. 14dBi, wobei alle 6dBi eine theoretische Verdopplung der Reichweite möglich ist.
Ein erster Test OHNE Richtantenne und Aufstellung der Basisstation auf dem Tower des Flugplatzes ergab eine gut nutzbare Reichweite von ca. 600m.
Mit der Richtantenne sollte nun die gesamte Strecke von 1000m locker zu überbrücken sein.
Das mitgelieferte Pigtail wurde genutzt, um die Basisstation mit einem externen Antennenanschluss zu versehen. Nun können beliebige Antennen bequem angeschraubt werden.
Beim Anlöten des Pigtails muss jedoch auf einige Details geachtet werden. Das Siemens Gigaset Gerät benutzt Polarisationsdiversität, um die Reichweite im normalen Einsatz zu erhöhen. Hierzu werden zwei Antennen um 90° versetzt angeordnet und je nach Empfangsqualität wird die stärkere automatisch ausgewählt. Die Umschaltung erfolgt in sehr kurzen Zeitabständen, um eine stabile und optimale Verbindung zu garantieren.
Bei dem Anschluss einer externen Antenne wird jedoch nur eine der beiden Antennen genutzt. Die verbleibende, kleine Antenne wird im Nahbereich weiterhin genutzt, während die zweite interne Antenne durch die externe ersetzt wird.
Hierzu wird die eine interne Antenne durchtrennt und die stillgelegten Kupferflächen dienen als Massepunkt und Halterung für das Pigtailkabel.
Um eine optimale, elektrische Anbindung der externen Antenne zu gewährleisten, muss ein 15-22pF großer SMD-Kondensator zur Ankopplung in Reihe geschaltet werden. Nur hierdurch kann die automatische Umschaltung zwischen den beiden Antennen weiter funktionieren.

Mehr Details habe ich auf folgenden Seiten gefunden:
http://www.mydarc.de/dl7afb/projects/DECT-WIFI-Antennas.htm
http://broadcasting.br.funpic.de/dect_inside_gigaset_repeater.html

Folgende Bilder zeigen einige Details zu den durchgeführten Änderungen:

2 Kommentare

  1. Christoph Sagt:

    Hallo,

    ich bin gerade daran eine Richtfunkstrecke auf unserem Flugplatz über DECT zu realisieren!

    Funktioniert bei euch der Aufbau noch?
    Wie sind die Erfahrungen?

    Gruß

  2. Marcel Sagt:

    Hallo Christoph,
    ja wir nutzen nur noch das DECT System!
    Eine Station auf dem Tower als Basis. Daran ist ein Repeater verbunden mit einer Richtantenne zum entfernten Startplatz/Windenstandort. Die Winde hat eine Richtantenne und einen DECT-Analog-Wandler mit Headsettelefon. Der Start hat ebenfalls das gleiche für den Flugleiter, wenn wir Ostwind haben. Dann steht die Winde in Towernähe und verbindet sich mit dem Repeater.
    Dieses Setup funktioniert tadellos und mit einer super Tonqualität.
    Noch Fragen?

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